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partizipative Performance, site-specific, Videoloop

2026

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Ossi along the watchtower entstand auf der Aussichtsetage des ehemaligen DDR-Wachturms Schlesischer Busch in Berlin und wurde nach Einbruch der Dunkelheit umgesetzt. Der Arbeit voraus ging ein Aufruf an ostsozialisierte Personen mit der Einladung zur Teilnahme. Die Teilnehmenden betraten den Turm nacheinander einzeln, erhielten eine Taschenlampe und die Aufgabe, sich mittig im Raum zu positionieren und mindestens eine vollständige 360°-Drehung um die eigene Achse auszuführen. Der Lichtkegel bewegte sich dabei auf Höhe der Fenster entlang der umlaufenden Aussichtsebene.

Am nach Westen gerichteten Fenster war, von außen lesbar, das Wort „OSSI“ mit Spiegelfolie angebracht.. Die Performance wurde von außen gefilmt; die einzelnen Aufnahmen wurden später Licht-in-Licht zu einem kontinuierlichen Video zusammengeschnitten.

Die Arbeit verschiebt die historische Funktion des Turms in mehrere, sich überlagernde Bedeutungen. Das kreisende Licht erscheint aus der Distanz zunächst wie das Signal eines Leuchtturms – ein Orientierungspunkt, der einen Heimathafen markiert. Gleichzeitig verweist die Bewegung des Lichtkegels auf die ursprüngliche Funktion des Wachturms als Ort der Kontrolle und Beobachtung: Das Licht wird zum fahndenden Suchscheinwerfer.

Der Schriftzug „OSSI“ bewegt sich zwischen Zuschreibung und Aneignung. Lesbar wird er nur von der ehemaligen Westseite aus, also aus jener Perspektive, aus der der Begriff historisch als Fremdbezeichnung verwendet wurde und wird. Durch die spiegelnde Oberfläche wird jedoch zugleich die Position der Betrachtenden einbezogen: Wer das Wort liest, begegnet immer auch dem eigenen Spiegelbild. Die Zuschreibung verweist damit auf die Bezeichneten und die Bezeichnenden.

Die Performance verändert diese Situation zusätzlich. Spiegel werden normalerweise durch einfallendes Licht aktiviert; hier jedoch entsteht Lesbarkeit im Dunkeln durch das Anleuchten von innen heraus. Die Teilnehmenden setzen das Wort selbst in Erscheinung, eignen sich Wort und auch Ort (wieder) an.

Neben der eigentlichen Performance wurde auch die Zusammenkunft als temporärer sozialer Raum selbst Teil der Arbeit. Vor dem Turm versammelte sich eine lose Gruppierung von Menschen mit ostsozialisierten Biografien, die miteinander ins Gespräch kamen, warteten, zusahen oder gemeinsam den Ort erkundeten. Für viele war bis dato der Wachturm als historisches Symbol präsent – fremd wie vertraut gleichzeitig-, ohne dass die überwiegende Mehrheit der Teilnehmenden einen solchen jemals vorher betreten hatte.